Investitionen in Umwelt und Zukunft
Innovation ist bei uns kein Schlagwort – sondern gelebte Praxis
Inhaltsverzeichnis
Der Abwasserverband Großache Nord investiert laufend in moderne Umwelttechnik, nachhaltige Verfahren und zukunftsorientierte Infrastruktur.
Von der energieeffizienten Klärschlammtrocknung über die Stromgewinnung aus Bioabfällen bis zur geplanten Kompostieranlage mit Neophyten Management: Unsere Projekte verbinden regionale Verantwortung mit praktischer Wirkung.
Neben den großen Vorhaben führen wir jedes Jahr auch wichtige Instandhaltungen an unseren Beckenanlagen sowie am Verbandssammler (Verbandskanal) und Aussenstationen durch – für einen sicheren, funktionalen Betrieb und langfristige Betriebssicherheit.
Diese Seite zeigt:
- Woran wir aktuell arbeiten
- Was bereits erfolgreich umgesetzt wurde
- Wie unsere Investitionen die Umwelt schützen, Betriebskosten senken und die Lebensqualität in unseren Gemeinden verbessern
Digitale Kataster – Grundlage für kluge Entscheidungen
Unsere digitalen Werkzeuge wie der Indirekteinleiterkataster und der Kanalkataster sind mehr als nur Verzeichnisse – sie sind strategisches Know-how, das messbar wirkt:
- Reduktion von Fremdwasseranteilen durch gezielte Leitungserkennung und Netzoptimierung
- Kostenersparnis Effizientere Wartung, gezielte Inspektionen und verursachergerechte Gebühren
- Gebührengerechtigkeit Transparente Nachvollziehbarkeit aller Einleitungen und Vertragsdaten
- Investitionsplanung Verlässliche technische Daten zu Leitungslängen, Altersstruktur und Sanierungsbedarf
Unser Kanalkataster – damit’s unten funktioniert
Versteckt im Boden – aber mit großem Einfluss
Kanalnetze liegen unterirdisch und sind im Alltag kaum sichtbar. Gerade deshalb wird oft übersehen, dass sie zu den teuersten Infrastrukturbereichen einer Gemeinde gehören. Viele Bürger:innen wundern sich über hohe Kanalgebühren, ohne zu wissen, welcher technische Aufwand dahintersteckt.
Unser Kanalkataster hilft, diese Kosten langfristig zu senken – durch präzise Informationen zu Leitungslängen, Altersstruktur und Sanierungsbedarf. Er zeigt, wo welche Kanäle verlaufen, wann sie gebaut wurden und wo Instandhaltungen notwendig sind, bevor Schäden entstehen.
Was bringt der Kanalkataster konkret?
- Zielgerichtete Wartung statt flächendeckender Sanierung
- Früherkennung von Fremdwasserquellen
- Weniger Reparaturkosten – stabilere Gebühren
- Transparente Entscheidungsgrundlagen für Gemeinden und den Verband
Ohne diese digitale Übersicht müssten teure Maßnahmen oft „auf Verdacht“ getroffen werden. Mit dem Kataster dagegen wird präzise geplant – und die Gebühren bleiben nachvollziehbar.
Abwasser aus Betrieben – Kontrolle & Kostenfairness
Indirekteinleiter sind Betriebe wie:
- Industrie- und Großbetriebe
- Metzgereien & fleischverarbeitende Betriebe
- Brauereien & Brennereien
- Molkereien
- Werkstätten
- Gastronomiebetriebe
- Wäschereien
Sie leiten nicht häusliches Abwasser über die öffentliche Kanalisation zur Kläranlage. Dieses Abwasser kann Stoffe enthalten, die die Reinigung erschweren oder die Umwelt belasten.
Was macht der Indirekteinleiterkataster?
Der Indirekteinleiterkataster ist ein digitales Verzeichnis aller relevanten Betriebe im Verbandsgebiet. Unser Verband führt ihn eigenständig – in Zusammenarbeit mit Ziviltechnikerkanzleien.
Er dokumentiert:
- Wer was einleitet
- Technische Ausstattung (z. B. Fett- oder Ölabscheider)
- Wartungsintervalle
- Einhaltung gesetzlicher Vorgaben
Das bedeutet konkret:
- Direkte Erfassung aller Betriebe mit Angaben zu Art und Menge des Abwassers
- Regelmäßige Probenahmen und Grenzwertkontrollen
- Laufende Überwachung und Dokumentation durch unser eigenes Fachpersonal
Vorteile für die Region:
- Kosteneffizienz Minimierung externer Gutachterkosten – spart öffentliche Mittel
- Bessere Kommunikation Direkter Kontakt zu Betrieben ermöglicht rasche Klärung bei Fragen oder Auffälligkeiten
- Mehr Kontrolle vor Ort Unsere Mitarbeiter kennen die örtlichen Gegebenheiten und können gezielt reagieren
Klärschlammtrocknungsanlage mit Kondensationstrocknung
Effizient trocknen – nachhaltig verwerten
Seit 2024 betreiben wir in Erpfendorf eine moderne Klärschlammtrocknungsanlage mit Kondensationstrocknung. Unser Ziel: die Entsorgungskosten deutlich senken und gleichzeitig die Umwelt und Böden nachhaltig schützen.
Warum Trocknung Sinn macht
- Der getrocknete Schlamm wird – wie bisher – thermisch verwertet
- Die Trocknung reduziert das Volumen um bis zu 75 %
- Weniger Gewicht = massive Einsparung bei Transportkosten
- Höherer Brennwert = effizientere und günstigere Verbrennung
Hintergrund & Zukunft
- Die Entsorgungskosten für Klärschlamm sind in den letzten Jahren stark gestiegen
- Eine neue EU-Richtlinie ab 2033 schreibt die Rückgewinnung von Phosphor aus Verbrennungsasche vor
- Tirol plant eine eigene Monoverbrennungsanlage – für mehr Unabhängigkeit und regionale Kreisläufe
Unser Beitrag zur Tiroler Klärschlammstrategie
- Trocknung auf über 90 % Trockensubstanz → biologisch stabil, hoher Brennwert
- Erhebliche Reduktion der LKW-Fahrten zur Verbrennungsanlage → weniger CO₂-Emissionen, besserer ökologischer Fußabdruck
- Beitrag zur Tiroler Klärschlammstrategie und EU-Vorgaben
Aus Speiseresten wird Strom – nachhaltig und regional
In Kooperation mit dem Abfallwirtschaftsverband Bezirk Kitzbühel sammeln wir in 17 Gemeinden die Speisereste aus Haushalten und Gastronomie. Gemäß der Andienungspflicht für biogene Abfälle in Tirol sind diese Speisereste verpflichtend dem Sammelsystem der Gemeinden zuzuführen – ein zentraler Baustein für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
In der modernen Bioaufbereitungsanlage werden die Störstoffe entfernt und es entsteht daraus ein hochwertiges Co-Substrat, welches in den Kläranlagen im Bezirk Kitzbühel in den Faultürmen vergoren und zu Methangas für die Stromerzeugung verarbeitet wird. Die dafür nötige Infrastruktur – Faultürme und Blockheizkraftwerke (BHKW`s) – waren bereits vorhanden, wurden jedoch nicht zur Gänze ausgelastet. Durch die Zuführung von Co-Substraten konnte die Gasausbeute deutlich gesteigert werden.
Der Abwasserverband Großache Nord hat gemeinsam mit der Universität Innsbruck eine Studie zur Optimierung der Gasausbeute durchgeführt. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Bei reinem Klärschlamm liegt die Gasausbeute bei etwa 40–50 % Gas, der Rest bleibt als Klärschlamm zurück. Mit Co-Substraten steigt die Gasausbeute auf rund 90 % Gas und nur 10 % Schlamm – ein enormer Fortschritt für Energiegewinnung und Ressourcenschonung.
Der Abwasserverband Großache Nord hat gemeinsam mit der Universität Innsbruck eine Studie zur Optimierung der Gasausbeute durchgeführt. Klärschlamm entsteht bei der Reinigung von Abwasser und enthält organische Bestandteile, die in Faultürmen vergoren werden – dabei entsteht Methangas, das zur Stromerzeugung genutzt wird.
Durch die Zugabe von sogenannten Co-Substraten – etwa Speiseresten aus Haushalten und Gastronomie – konnte die Gasausbeute deutlich gesteigert werden. Die vorhandenen Faultürme und Blockheizkraftwerke wurden dadurch besser ausgelastet und arbeiten nun wesentlich effizienter.
Der Faulturm: Herzstück der Kläranlage
Wer an eine Kläranlage denkt, hat meist Rohre, Becken und viel Technik im Kopf. Doch das wahre Kraftpaket steht oft unscheinbar am Rand: der Faulturm.
Hier wird der sogenannte Klärschlamm – also die Reste aus der Abwasserreinigung – von Mikroorganismen zersetzt. Und zwar ganz ohne Sauerstoff. Das nennt man „anaerobe Faulung“.
Warum ist das so genial?
Energie aus Abwasser
Beim Faulprozess entsteht Biogas, vor allem Methan. Dieses Gas wird direkt in der Kläranlage zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt.
Weniger Schlamm, weniger Geruch
Der Schlamm wird stabilisiert, das heißt: Er riecht weniger, ist hygienischer und lässt sich besser weiterverarbeiten.
Kreislaufwirtschaft pur
Aus Abwasser wird Energie – ein echtes Beispiel für nachhaltige Ressourcennutzung.
Mikroplastik – eine lokale Herausforderung mit klarer Ursache und Lösung
In unserer Kläranlage beobachten wir zunehmend Probleme durch Mikroplastik im Klärschlamm – und das hat mehrere Ursachen. Eine davon wurde in einer wissenschaftlichen Studie gemeinsam mit der Universität Innsbruck eindeutig nachgewiesen:
Kompostierbare Bioabfallbeutel aus Maisstärke und Kunststoff
Diese Beutel zersetzen sich in der Praxis nicht vollständig. In unserer Abfallaufbereitungsanlage verfangen sie sich mechanisch, werden nicht ausreichend abgebaut und gelangen als feine Mikroplastikreste mit dem Co-Substrat in den Faulturm.
Folgen für unsere Technik
Das Mikroplastik wird im Faulturm nicht biologisch abgebaut. Es bleibt im ausgefaulten Schlamm zurück und verursacht bei der Trocknung massive Probleme: Die feinen Partikel verstopfen die Membranen unserer Klärschlammtrocknungsanlage und bringen die Maschine des öfteren zum Stillstand – mit hohen Wartungskosten und Ausfallzeiten.
Weitere Eintragsquellen
Mikroplastik gelangt auch über das normale Abwasser in die Kläranlage – etwa durch Waschmaschinen, Kosmetikprodukte oder Straßenwasser. Doch die Bioabfallbeutel stellen bei uns den größten Eintrag dar.
Die „Tonni“-Kampagne in Kombination mit „Baggi“ – für saubere Speisereste und weniger Mikroplastik
Um Fehlwürfe in Speiserestetonnen zu vermeiden und die Qualität der Bioabfallsammlung zu verbessern, hat der Abfallwirtschaftsverband Bezirk Kitzbühel die „Tonni“-Kampagne ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger für die richtige Sammlung von Speiseresten zu sensibilisieren – ohne Plastikbeutel, ohne Biokunststoff, sondern ausschließlich mit dem braunen Papiersack „Baggi“ oder ganz ohne.
Die Kampagne begleitet die erfolgreiche Verwertung von Speiseresten in der Anlage in Erpfendorf, die mittlerweile 1,1 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt – aus rund 4.000 Tonnen Speiseresten aus dem Verbandsgebiet.





