Bis zum Sommer 2027 entsteht beim Abwasserverband Großache-Nord eine moderne interkommunale Kompostieranlage, die Strauch-, Grün- und Gartenabfälle in hochwertige Erde verwandelt. Visualisierung: © AWV/HolzTec
Kirchdorf, St. Johann und Oberndorf setzen gemeinsam ein starkes Zeichen für die regionale Kreislaufwirtschaft. Beim Abwasserverband Großache-Nord entsteht die erste interkommunale Kompostieranlage im Bezirk. Strauch-, Grün- und Gartenabfälle werden dort zu hochwertigen Erden aufbereitet und direkt in der Region wiederverwendet.
Nach rund zweieinhalb Jahren Planung erfolgte im September der Baustart für die interkommunale Kompostieranlage des Abwasserverbandes Großache-Nord – die erste ihrer Art im Bezirk Kitzbühel. Mit dem zukunftsweisenden Infrastrukturprojekt bündeln Kirchdorf, St. Johann und Oberndorf erneut ihre Kräfte und setzen ein starkes Zeichen für die regionale Kreislaufwirtschaft.
Gras-, Grün- und Strauchschnitt sowie Gartenabfälle werden künftig neben der Kläranlage des Abwasserverbandes Großache-Nord interkommunal gesammelt, fachgerecht kompostiert und aufbereitet. „So entsteht hochwertige Erde, die direkt in der Region wiederverwendet werden kann. Damit schließen wir den Kreislauf direkt vor unserer Haustüre“, erklärt Johann Seiwald, Geschäftsführer des Abwasserverbandes Großache-Nord.
Aus bis zu 4.000 Tonnen Grünabfall wird neue Erde
Bis zu 4.000 Tonnen Grün- und Strauchschnitt sowie Gartenabfällen pro Jahr können verarbeitet werden. Hinzu kommen bis zu 2.000 Tonnen Zuschlagsstoffe wie Aushuberde oder Sand. Sie werden benötigt, um aus dem gewonnenen Kompost hochwertige Erden nach definierten Qualitätsstandards herzustellen. Gut zu wissen: Da keine Speisereste verarbeitet werden, ist mit keiner diesbezüglichen Geruchsbelastung zu rechnen.
7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag für Haushaltsmengen
Ein besonderer Mehrwert für die Bevölkerung liegt in den flexiblen Abgabemöglichkeiten: Kleinmengen können in der neuen Kompostieranlage sieben Tage die Woche rund um die Uhr angeliefert werden. Gleichzeitig bleiben kleinere Sammelstellen für haushaltsübliche Mengen in den jeweiligen Gemeinden erhalten. Damit wird es noch einfacher, Grün- und Gartenabfälle einer sinnvollen Wiederverwertung zuzuführen.
Auch die LKW-Verkehrsbelastung wurde bei der Planung berücksichtigt. Der Standort verfügt über eine ideale Verkehrsanbindung und liegt in einem nicht dicht besiedelten Gebiet. Gerechnet wird mit rund 1.000 Lkw-Anlieferungen pro Jahr.
Bestehende Infrastruktur gemeinsam nutzen
Statt getrennte Strukturen aufzubauen, werden für die interkommunale Kompostieranlage vorhandene Infrastruktur, Personal und Ressourcen gemeinsam genutzt. Der Standort bei der Kläranlage bietet dafür optimale Voraussetzungen. Künftig wird auch die Geschäftsstelle des Abfallwirtschaftsverbandes Bezirk Kitzbühel, der insgesamt 17 Gemeinden betreut, im neuen Verwaltungsgebäude untergebracht. Dadurch entstehen weitere Synergien und vorhandene Ressourcen können effizient und kostensparend eingesetzt werden.
Im neuen Verwaltungsgebäude ist künftig auch die Geschäftsstelle des Abfallwirtschaftsverbandes Bezirk Kitzbühel untergebracht. Visualisierung: © AWV/HolzTec
4,2 Millionen Euro fließen in den Bau
Für das gemeinsame Projekt haben die drei Gemeinden um rund 1,7 Millionen Euro ein Grundstück angekauft. Nur ein Teil der Fläche wird für die neue Kompostieranlage genutzt, der Rest bleibt als Vorsorgefläche für künftige Entwicklungen erhalten. In den Bau der Anlage fließen weitere rund 4,2 Millionen Euro. Knapp ein Drittel davon – rund 1,3 Millionen Euro – fördert das Land Tirol. Die verbleibenden Kosten tragen Kirchdorf, St. Johann und Oberndorf nach einem festgelegten Aufteilungsschlüssel.
Nachhaltigkeit bei Bau, Planung und Betrieb im Mittelpunkt
Die interkommunale Kompostieranlage umfasst ein rund 400 Quadratmeter großes Verwaltungsgebäude, eine 480 Quadratmeter große Lagerhalle sowie als Herzstück eine rund 1.500 Quadratmeter große Kompostlagerhalle. Errichtet werden die Gebäude in nachhaltiger Holz-Betonbauweise, die sich harmonisch in die Umgebung einfügen. Bei Planung und Bau setzt man auf regionale Fachplaner und Unternehmen.
Für eine nachhaltige Energieversorgung sorgt eine Photovoltaikanlage mit rund 200 kWp Leistung. Sie wird ausreichend Strom erzeugen, um die Kompostieranlage energieautark zu betreiben. Überschüssige Energie wird direkt von der benachbarten Kläranlage genutzt – damit wird auch bei der Energieversorgung der Kreislaufgedanke konsequent weitergeführt.
Fertigstellung bis Sommer 2027
Der Baustart ist im September erfolgt. Bis Weihnachten soll die Dachgleiche erreicht werden, die Inbetriebnahme ist für Sommer 2027 vorgesehen.
Baufakten auf einen Blick
- Baustart: September 2026
- Fertigstellung: Sommer 2027
- Baukosten: rund 4,2 Mio. Euro
- Förderung Land Tirol: rund 1,3 Mio. Euro – knapp ein Drittel der Baukosten
- Kapazität: bis zu 4.000 Tonnen Grün- und Strauchschnitt sowie Gartenabfälle pro Jahr
- Zusätzlich: bis zu 2.000 Tonnen Zuschlagsstoffe wie Aushuberde oder Sand
- Besonderheit: erste interkommunale Kompostieranlage dieser Art im Bezirk Kitzbühel
- Umsetzung: mit regionalen Fachplanern und Baufirmen
Stimmen der Bürgermeister
„Nach der Errichtung der Verbandskläranlage in den 80er Jahren und deren Weiterentwicklung zur Vorzeigeanlage ist nun die Kompostieranlage der neuesten Generation der nächste nachhaltige Schritt in der interkommunalen Zusammenarbeit von Kirchdorf, St. Johann und Oberndorf.“
Gerhard Obermüller, Obmann Abwasserverband Großache-Nord, Bürgermeister Kirchdorf
„Mit diesem Vorzeigeprojekt errichten wir die erste interkommunale Kompostieranlage im Bezirk. Die Zusammenarbeit mit unseren Nachbargemeinden läuft ausgezeichnet, und wir als e5-Gemeinde sehen diese Anlage als weiteren wichtigen Beitrag auf unserem Weg zum Ausbau der Nachhaltigkeit.“
Stefan Seiwald, Bürgermeister St. Johann
„Die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg ist für mich der Weg in die Zukunft. Nur wenn wir unsere Kräfte bündeln, können wir Ressourcen effizienter nutzen. Die neue Kompostieranlage zeigt, wie aus interkommunaler Zusammenarbeit ein echter Mehrwert für unsere Gemeinden, die Bevölkerung und die Umwelt entsteht.“
Hans Schweigkofler, Bürgermeister Oberndorf
Spatenstich am 7. Oktober 2026
Von links: Raphael Lindermayr (GF Riederbau), Abwasserverband-Vorstand GV Josef Wörgötter, Abwasserverband-GF Johann Seiwald, Bgm. Hans Schweigkofler (Oberndorf), Abwasserverband-Obmann Bgm. Gerhard Obermüller (Kirchdorf), Bgm. Stefan Seiwald (St. Johann), Abwasserverband-Vorstand GR Hanspeter Ellmerer und Bernhard Wörter (GF Holztec). Foto: © AWV/Monitzer
Von links: Abwasserverband-GF Johann Seiwald, Bgm. Hans Schweigkofler (Oberndorf), Abwasserverband-Obmann Bgm. Gerhard Obermüller (Kirchdorf) und Bgm. Stefan Seiwald (St. Johann). Foto: © AWV/Monitzer


